32) Weihnachten, Silvester, Karneval und eine Hochzeitsfeier – Feste feiern in Kolumbien!

Erste Tage in Kolumbien

Nach dem ich in Kolumbien angekommen war, wollte ich mich zuerst darum kümmern die örtliche Casa Ciclista zu finden und mir danach kolumbianische Pesos besorgen.
Leider jedoch funktionierte die Telefonnummer, die ich von der Casa Ciclista hatte nicht und so fragte ich in einem Rockshop nach der richtigen Adresse.

Die Leute dort wussten jedoch auch nicht Bescheid. Spontan luden sie mich auf ein Bier ein. Und was soll ich sagen? Aus einem wurden zwei, und dann drei und schließlich wollte die Truppe in eine Rockkneipe gehen. Ich hatte allerdings noch immer keine Übernachtungsmöglichkeit und so erfuhr ich das erste Mal die unglaubliche kolumbianische Gastfreundschaft  – die auf einem ganz anderen Level ist.
Der Besitzer des Rockshops bezahlte mir ein Hotelzimmer ganz in der Nähe der Kneipe – ohne das ich wiedersprechen konnte.

In der Kneipe durfte ich dann auch nichts zahlen – hätte ich auch gar nicht gekonnt, so ganz ohne kolumbianisches Bargeld.

So gegen zwei Uhr nachts und nach viel zu vielen, doch recht hochprozentigen Getränken, die ich alle nicht ablehnen konnte, mussten wir dann die arme, bereits schon schlafende, Hotelbesitzerin wachklingeln und ich konnte meinen Rausch ausschlafen.

Die Las Lajas Kirche

Von einer Kirche, die mehr an eine Disneyburg erinnert als an Kirche

Am nächsten Morgen  wechselte ich dann vom Hotel in ein Hostel und besichtigte die berühmte Las Lajas Kirche ganz in der Nähe. Diese war über und über weihnachtlich geschmückt und fühlte sich ein wenig nach Phantasialand an.
Auf dem ersten Blick ist alles wahnsinnig imposant. Auf dem zweiten Blick sieht man die ganzen unfotogenen Stellen, die mehr schlecht als recht versteckt sind.
Aber ich will der Kirche nicht unrecht tun.
Sie ist märchenhaft gelegen und ähnelt eher einer Burg, als einer klassischen Kirche.

Unfotogene Stellen der Kirche

Über Weihnachten in Pasto

Nach ein paar Tagen, in denen ich mich an die neue Währung und den kulturellen Unterschied zu Ecuador gewöhnt habe, fuhr ich nach Pasto.
Dort “feierte” ich noch ein wenig den ersten Weihnachtsfeiertag, indem ich in einem viel zu teuren Restaurant versucht habe möglichst günstig und satt wieder in meine Unterkunft zurück zu kommen.

Feiertage und Geburtstage fühlen sich für mich auf Reisen immer komisch an.
Ich frage mich ständig, ob ich einen Pausentag einlegen soll um zu “feiern”, oder doch lieber weiterfahren soll. Egal wie ich es mache, es fühlt sich falsch an.

Auf zur Lagune!

Von Pasto war es nicht mehr weit bis  zur Laguna de la Cocha, die sehr schön gelegen ist. Die vielen kleinen Boote im Hafen komplettieren das schöne Erscheinungsbild.

Auf dem Weg zur Lagune musste ich einige Höhenmeter überbrücken. Unterwegs machte mich auf einer Aussichtsplattform ein Autofahrer darauf aufmerksam, dass schon bald – nämlich am 02. Januar – der Karneval in Pasto starten würde.
Pasto wirbt auch damit, die inoffizielle Hauptstadt des kolumbischen Karnevals zu sein. Ich wollte dieses vielversprechende Ereignis nicht verpassen und so beschloss ich später, nach ein paar Tagen Lagunenaufenthalt, nach Pasto zurückzukehren um dort erst Silvester und anschließend das Karnevalspektakel mit zu erleben.

Doch zunächst wollte ich erstmal die Lagune besser kennenlernen.
Dafür konnte ich in einer der zahlreichen Casa Ciclistas von Kolumbien einkehren (dazu später mehr) und lernte die Besitzerin Mishel kennen.
Ihr Haus ist traumhaft, und nur wenige Meter von der Lagune entfernt, gelegen.

Nach einer Nacht dort erwartete sie jedoch andere Gäste und so zog ich in ein im Bau befindliches Haus um.

Ein Einheimischer hatte mich dazu eingeladen.  Dort konnte ich sicher und dazu kostenlos campen. Im Gegenzug reparierte ich sein Fahrrad.

Camping hoch oben über der Lagune

Zusammen mit meinem neuen Bekannten machte ich ein paar Ausflüge. Z.B. waren wir zu einer Weinprobe im weit und breit einzigen Weingut und fuhren mit ‘nem kleinen Boot zu einer Insel auf dem See.
Leider war die Insel selbst, momentan gerade nicht begehbar. Stattdessen wurde nur ein kurzer Film über den Artenreichtum auf dieser Insel gezeigt .
Trotzdem habe ich den Bootsausflug genossen.

Wärend meiner Zeit an der Lagune de la Cocha habe ich mich über die Cycling-South-America WhatsApp-Gruppe mit Anna verabredet. Anna kommt  aus Andorra und war gerade auf Radreise von Chile nach Bogotá/ Kolumbien. Unser Plan war  zusammen Silvester in Pasto zu feiern.
So fuhr ich von der Lagune aus, wieder nach Pasto zurück.

Silvester in Pasto

Erste Karnevalsstände

Zusammen mit Anna erkundete ich erneut die Stadt. Dabei fielen uns vor allem die Vorbereitungen auf den bald bevorstehenden Karneval auf. Außerdem gab es viele Stände mit den sogenannten “Anño Viejo Muñecos”, also den “Vergangenes Jahr Puppen”
Sie werden traditionell an Silvester verbrannt um sich von den Lasten des alten Jahres zu befreien.

Überall Anño Viejo Muñecos

Ich wollte bei diesem Brauch mitmachen und kaufte kurzerhand ‘Olaf’.

Nach zwei Tagen in Pasto entschied sich Anna jedoch schonmal mit ihrem Rad weiter zu fahren, da ihr die Zeit bis zu ihrem Rückflug ab Bogotá  zu knapp wurde und sie generell nicht der Typ Mensch ist, der lange an einem Ort bleibt.

Ich, Anna und zwei random Guys beim Konzert

Im Nachhinein eine richtige Entscheidung von ihr. Denn zum Silvester-Fest wurde in Pasto nicht viel gefeiert und es wirkte dementsprechend recht trostlos.

Abgefakelte Pupe

Der Carnaval de negros y blancos

Nach Neujahr ging es dann schlagartig auf den “Carnaval de negros y blancos” zu. Auch die Preise in der Stadt stiegen mindestens genauso schlagartig an.

Das Spektakel begann am 02. Januar mit dem ‘Carnavalito’, einem kurzen Kinderumzug durch die Stadt.

Dazu gab es jede Menge ‘Carjuca’. Das ist ein Sprühschaum, mit dem man sich gegenseitig gut ärgern kann, indem man den anderen vollkommen mit Schaum einsprüht. Die Rache folgt natürlich augenblicklich. Besonders in den Pausen zwischen den einzelen Gruppen im Umzug, ging es damit besonders heiß her.


Nach dem Beginn des Karnevals in Pasto gibt es jeweils Mottotage, bis es schließlich am 06.01, am ‘Dia de blancos’, zum Höhepunkt des Karnevals kommt.
Um diesen Tag zu zelebrieren, gibt es einen riesigen Umzug, der locker mit dem Rosenmontagszug in Köln mithalten kann – sowohl von der Länge der Strecke, als auch vom Aufwand.
Zuerst ziehen ganze Gruppen mit Tragegestellen, die häufig größer als die Träger selbst sind, den Zugweg entlang.
Ich wollte von jeder einzelnen Figur ein Foto machen, aber es waren einfach zu viele.

Erst danach kommen die ganzen, enorm aufwendig gestalteten Wagen. Darauf sind riesige Figuren installiert, die durch die häufig beweglichen Augen, Hände, Köpfe und anderen Einzelteile, besonders lebendig und beeindruckend wirken.
Es muss unfassbar viel Zeit und Geld kosten, jeden einzelnen Wagen, jedes Jahr neu individuell zu gestalten.

Ein kurzer Blick auf den historischen Hintergrund des ‘Carnaval de negros y blancos’ in Pasto:

Der Karneval dort, hat den Ursprung darin, das sich im kolonialen Kolumbien, die Sklaven einen Tag der Freiheit erkämpft hatten.
Um die Rollen umzukehren und sich über die Rassentrennung zu erheben, haben deswegen die Sklaven die weißen Unterdrücker mit Ruß angemalt.
Am nächsten Tag haben sich die Menschen dann weiß angemalt und ein gemeinsames Fest entstand. *1

Auch heute noch malen sich einige Menschen im Gesicht schwarz oder weiß an, was mir als Außenstehender in dem Moment eher befremdlich vorkam.
Meine Skepsis kam daher, das Blackfacing in Europa dazu verwendet wurde und teilweise leider immer noch wird, um sich über Schwarze lustig zu machen und sich über sie zu erheben, sowie vermeintliche Unterschiede zu betonen, wo es keine gibt.
Mit dem Hintergrundwissen den ich durch diesen Karneval in Pasto gewonnen habe, kann ich den Brauch aber verstehen.
Immerhin ist hier der historische Hintergrund ein ganz anderer und die Farbe wird hier nicht dazu genutzt um rassistische Stereotype zu reproduzieren, sondern ganz im Gegenteil, um zu verbinden.

Auf der Todesstraße durch den Dschungel

Nach dem Karnevalsspektakel in Pasto fuhr ich in Richtung “Trampolin de Muerto” und somit nach Mocoa weiter.
Ich hatte gelesen, das dies eine beliebte Motorradschnellstrecke durch die Berge ist und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Als ich aber nach etlichen Höhenmetern – und einer Campingnacht bei einem Restaurant – dort ankam, bemerkte ich, dass die Strecke gar nicht asphaltiert ist und sich somit auch nicht als Motorradschnellstrecke eignet.

Campen am Restaurant

Zudem war es zeitweise ziemlich vernebelt, was die Strecke misteriöser und auch ein gutes Stück gefährlicher macht.

Warum die Strecke “Trampolin des Todes” heißt?
Das weiß ich nicht, aber hier sind meine zwei besten Theorien:
– Dadurch, dass die Straße unbefestigt ist, hüpft man bei so manchem losen Stein wirklich ein Stück hoch – und kann danach erstaunlich tief fallen.

– Die Straße ist so unglaublich kurvenreich, das sie auf der Landkarte ein bisschen so aussieht, als würde eine Person ständig hoch und runter hüpfen.


Fest steht auf jeden Fall, dass am Wegesrand so manches Kreuz steht und auch so manche Leitplanke einem Bergrutsch oder Unfall zum Opfer gefallen ist.
Trotz alledem, fühlt es sich dort für mich sicherer an, als auf so mancher bolivischen Straße meiner Radreise über die Anden. Dort gab es noch deutlich mehr Kreuze – und Leitplanken suchte man meist komplett vergebens.


Mocoa – die Stadt der Wasserfälle im Amazonas

Woran erkennt man zuverlässig, das man der Amazonasregion näher kommt?

Ganz klar: An den sich häufenden Stil- Werbetafeln – ein Schelm wer dabei Böses denkt.
Jedenfalls bin ich eben diesen Werbetafeln gefolgt und letzendlich in Mocoa gelandet.

Stil-werbung in Ecuador

Mocoa ist die einzige Stadt im Amazonas-Gebiet, die ich in Kolumbien besuchen werde.
Hier gibt es jede Menge Wasserfälle zu entdecken.


Der Host der Casa Ciclista dieser Stadt – Ferney, ist gleichzeitig einer der Köpfe des Vibico-Kollektivs. Einem Kollektiv, das Radreisenden Informationen über Kolumbien zur Verfügung stellt und ein Unterstützungsnetzwerk aus Casa Ciclistas und bezahlbaren und radfreundlichen Unterkünften aufgebaut hat.

Der Weg zur Casa Ciclista ist steil –
aber er lohnt sich!

Ferney kümmerte sich großartig um mich und die anderen drei Reisenden, die zeitgleich mit mir bei ihm zu Gast waren.
U.A. lernte ich dort auch Gautier kennen, der mir durch Zufall später,  als Wamshowers-host noch eine Übernachtungsmöglichkeit gegeben hat (in einem der folgenden Blogs mehr dazu).

Freney (ganz rechts), zwei Radreisende und ich


Eingeladen auf einer Hochzeit, hoch über den Kaffeeplantagen

Überall Kaffee

Nach Mocoa fuhr ich weiter Richtung Pitalito.
Ganz in der Nähe dieser Stadt liegt der Touristenhotspot ‘San Augustin’. Anna (die Radreisende, die ich in Pasto getroffen hatte), war die Strecke schon vorher gefahren und hatte mir dort einen Campingspot bei einem Paragliding Center empfohlen.
Ich dachte mir, das könne ich super mit meinem Traum verbinden, endlich mal über den Wolken zu schweben, und fuhr nach San Augustin.
Auf dem Weg änderte sich spürbar das Klima (es wurde kälter) und es wurde quasi nur noch Kaffee angebaut. Ich war im Kaffee-Dreieck Kolumbiens gelandet.

Die Aussicht vom Paraglidingcenter

Als ich nach einigen Tagen und Höhenmetern bei meinem Ziel ankam, dekorierten gerade einige die überdachte Terrasse des Paragliding Centers für eine Hochzeit.
Als ich mein Zelt direkt daneben aufgebaut hatte, bot ich meine Hilfe an. So lernte ich Tatjana und ihre Mutter Doris kennen, die Freunde des Brautpaares sind und auch fleißig mithalfen.

Mein Zelt – und dahinter die Hochzeitsdeko
Tatjana und ich

Tatjana schlug mir sogar vor, am nächsten Tag bei der Hochzeit dabei zu sein . Als ich darauf erwiderte, dass ich ja das Hochzeitspaar gar nicht kenne und ich mich auf keinen Fall selbst einladen will, meinte sie, das wäre kein Problem.

Wedding in construction

Von Paraglidingabenteuern und einer Hochzeitsfeier

Am nächsten Tag war es soweit:
Ich bin zum ersten Mal geparaglidet!
Leider war das Erlebnis für mich nicht nur positiv. In der Luft wurde mir recht schnell schwindelig. Trotzdem konnte ich den Flug etwas genießen und die Aussicht war atemberaubend!

Am Abend fing die Hochzeit an.
Nach und nach trudelten die Gäste ein.
Bis letztendlich das Brautpaar zu der allseits bekannten Hochzeits-Orgelmusik zum Altar schritt und sich das Ja Wort gab. Anschließend führten sie zu ihrem Lieblings-Rapsong, ihren ersten Tanz vor und wurden  mit dem am Abend davor u.A. von mir mit vorbereiteten Konfetti beworfen.

Anschließend wurde das Buffet mit von den Gästen selbst zubereiten Speisen eröffnet. Später am Abend gab es noch gemeinsame Spiele und es wurde viel getanzt.

Das Buffet

Auch wenn das Brautpaar und die meisten Gäste sehr nett zu mir waren, konnte ich die Hochzeit nicht wirklich genießen.
Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Fremdkörper – was dadurch verstärkt wurde, dass mich so mancher Gast nur mit “Gringo” ansprach. So wurde der Abend für mich nicht sehr alt und ich ging relativ früh schlafen.

Am nächsten Morgen stand ich dann auf, und stellte fest, dass einige Leute noch am feiern waren. Für mich ging es dagegen weiter nach St. Augustin um die dort sehr bekannten Stein-Statuen zu schauen, die in der Gegend ca. 100-1.200 n.Ch. durch die San-Augustin-Kultur hergestellt wurden.

Nachdem ich den Eintrittspreis gesehen habe und danach einige Minuten in Schockstarre verfallen war, habe ich mich dann doch überwinden können und mich auf den langen Spaziergang entlang der zahlreichen Skulpturen eingelassen.
Es ist schon erstaunlich, wie zu so einem frühen Zeitpunkt, so große und detaillierte Figuren hergestellt und plaziert werden konnten.

St. Augustin ist nur ein Kaffeschluck von Pitalito, der inoffiziellen Kaffeehauptstadt Kolumbiens, entfernt. Hoch über dieser nicht besonders schönen Stadt haben mich Tatjana und Doris (die ich von der Hochzeit her kannte) auf ihre kleine Farm eingeladen.
Nach einem alles andere als einfachen, aber dafür um so schöneren Aufstieg mit Rad, kam ich letztendlich bei Ihnen an.

Doris zeigte mir schon mal den großen Garten  und stellte mich den Familienmitgliedern vor. Später kam dann Tatjana dazu, nachdem sie Feierabend von ihrem Job hatte.

Ich durfte in der Küche Zelten

Ich habe mich sehr wohl bei den beiden gefühlt.
Das ist nur ein Beispiel von vielen, für die unglaubliche Gastfreundschaft, die ich auf meiner Reise und insbesondere in Kolumbien erlebe!

Ich, Tatjana und Doris

Das unverhoffte Treffen mit Atsushi

Atsushi hat eine große Fangemeinde. Immer wieder werde ich hier in Lateinamerika auf einen “Japaner oder Asiaten” angesprochen “der sowas ähnliches macht wie du”. Gemeint ist immer er.
Hier könnt ihr seinen Videoblog von dem Tag sehen, an dem ich ihn getroffen habe:

ab min. 8:54


Die Tatacoa-Wüste an sich war sehr beeindruckend.
Besonders der rote Teil.
In der Wüste traf ich Pranoti. Sie kam aus Portugal, machte Urlaub und hatte sich ein Fahrrad gemietet.
Ich fragte sie, ob sie einen Campingplatz kennt und sie empfahl mir das Sternen-Obversatorium, bei dem sie in ihrer Hängematte schläft.


Am Abend schauten wir in einer geführten Tour durch die Teleskope und beobachteten den recht bedeckten Sternenhimmel. Doch zumindest für den Mond reichte es.

Als wir letztendlich in unseren Hängematten, bzw. Zelten lagen, klarte es nochmal komplett auf und wir konnten den beeindruckenden Sternenhimmel doch noch in voller Pracht betrachten.

Von nun an lag nicht mehr viel Strecke zwischen mir und Bogotá.

Allerdings ging es dafür die ganzen Höhenmeter, die ich bis auf das Wüstennivau hinunter gefahren war, nun wieder hoch.

Fast ganz oben angekommen, sprach mich Kaled an.
Er meinte zu mir, er würde auch Radreisen machen und ich könne bei ihm pennen.
Weil ich eigentlich an dem Tag noch ein paar Kilometer weiter Richtung Bogotá fahren wollte, lehnte ich das Angebot ab, bis er mich letztendlich doch noch davon überzeugen konnte.

Kaled ist Teil eines Künstlerkollektivs, das gerade zusammen auf dem Dorfplatz für ein Theaterstück probte. Alle wirkten ziemlich nett :).

Danach brach ich auf um zum Haus von Kaled zu fahren. Er fuhr schon mal im Bus vorraus.
Auf dem Weg fing es auf einmal an ziemlich heftig zu regnen.
So heftig, dass ich mich unterstellen musste und zusehen konnte, wie sich die umliegenden Straßen in reißende Flüsse verwandelten.

Straße während und nach den Überflutungen

Nachdem ich eine Zeit dort unterstand, teilte mir Kaled mit, das sein Haus an einer sehr steilen, unbefestigten Straße liegt. Er meinte der Weg zu seinem Haus wäre für mich als Radfahrer und erst recht mit so viel Gepäck zu gefährlich. Stattdessen vermittelte er mir den Kontakt zu seinem Theaterkollegen, dessen Haus etwas leichter zu erreichen war.

Am nächsten Morgen, brachte er (also der Theaterkollege von Kaled) zuerst meine Taschen und mich mit seinem Motorrad die äußerst steile Zugangsstraße zu seinem Haus Richtung Hauptstraße hinauf.
Als Nächstes drehten wir um und ich nahm als Beifahrer auf seinem Motorrad mein Fahrrad auf die Schulter, um das gleiche Verfahren zu wiederholen.
Leider gibt es von dem Moment keine Fotos, aber es ist tatsächlichso passiert.

Die steile Zugangsstraße

Eine ähnlich schräge Situation erlebte ich am Tag darauf.
Ich hatte bereits im Vorfeld eine Kontaktperson (Alain) des Vibico-Kollektivs angeschrieben, ob es in Bogotá eine Casa Ciclista gibt.
Das verneinte er, aber er gab mir für die Anreise Tipps und Orte zum Campen. Schrieb aber dazu, diese seien,”nicht ganz ungefährlich!”
Ich war nun kurz vor Soacha, einer Vorstadt von Bogotá. Es war bereits Abend und es wurde immer dunkler und dunkler.
Leider war in der Region weder ein Campingplatz noch eine Unterkunft zu finden und ich war nur wenig begeistert an “nicht ganz sicheren” Campingspots zu campen.
Also schrieb ich Alain nochmals an, und fragte ihn ob er nicht irgendwas anderes zum Übernachten kennen würde und sei es ein Hotel.

Cesar und ich

Daraufhin vermittelte er mir den Kontakt zu einem Freund, Cesar.
Dieser ließ mich in dem Hinterzimmer seiner Tierarztpraxis schlafen.
Am nächsten Morgen brachte mir Alain netterweise Frühstück vorbei. So konnte ich gut  gestärkt, die allerletzten Meter nach Bogotá starten.

Nach erschwerlichen Metern auf überfüllten Straßen hatte ich es endlich geschafft:
Ich war in Bogotá angekommen!

Statt nur auf meine Eltern zu warten, die mich hier zwei Tage später besuchten, verabredete ich mich in der Zwischenzeit nochmal mit Andrea (getroffen in Pasto), die mittlerweile ihre Radreise beendet hatte und am selben Tag mit dem Flugzeug zurück nach Andorra flog.

Wer weiß – vielleicht sehen wir uns ja bald in Deutschland oder Andorra wieder.

Im nächsten Blog erzähle ich dir mehr vom Urlaub mit meinen Eltern und was wir zusammen alles erlebt haben!

Quellen

*1 https://www.chaskatours.co/post/der-karneval-der-blancos-y-negros-von-pasto-eine-explosion-von-identit%C3%A4t-kreativit%C3%A4t-und-widerstan

Blog vom 02.02.2026

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