32) Kolumbien – Urlaub zwischen Cumbia, Karneval und Karibik

Der Urlaub beginnt

Anfang Februar war es soweit:

Meine Eltern kamen mich in Bogotá besuchen! Das ist bereits der dritte Besuch der beiden auf meiner Reise. Zusammen wollen wir einen Monat – oder mit meiner Mutter sogar 1 1/2 Monate durch Kolumbien und bis zur karibische Küste reisen.

Für mich ist das immer etwas ganz Besonderes – natürlich freue ich mich auf der einen Seite meine Familie nach so langer Zeit wiederzusehen – auf der anderen Seite erfordert jedes Treffen schon lange im Voraus Planung, was dem Konzept meiner Reise im Prinzip grundsätzlich widerspricht. Ich muss mich bereits Monate vorher festlegen, wo ich wann bin und kann in der Zeit des Treffens auch kein Fahrrad fahren. Mit anderen Worten: Es heißt Kompromisse einzugehen, bei einer Reiseart bei der davor (fast) nur alleine meine Bedürfnisse im Vordergrund standen.

Aber um meine Eltern wieder zu sehen, bin ich definitiv auch bereit Kompromisse einzugehen :).

Für meine Eltern ist ein Besuch von mir auf der Reise dagegen die Möglichkeit, um neue Gegenden auf der Welt zu erkunden und mich wieder zu sehen.

war es die Sache wert, alle Möglichkeiten wahrzunehmen und aus zu

paldovern um diese weite Reisen zu unternehmen und Zeit mit mir zu verbringen und dabei gemeinsam die gegend unsicher zu machen;-)

Es geht los!

Eingestiegen sind wir mit einem Besuch der einzigen Seilbahn Bogotás.

Es ging hoch hinaus, auf einen Berg und zu dem bekannteste Aussichtspunkt über die Stadt. Es ist schon wirklich erstaunlich – man sieht von dem Punkt aus quasi nur die riesige Stadt mit ihren Wolkenkratzern – und nichts anderes.

Was mir aber besonders an der Stadt aufgefallen ist, sind die ganzen Fahrräder, die teilweise katastrophalen Fahrradwegen trotzen und die ganze Stadt erobern. Das ist ganz schön außergewöhnlich für Lateinamerika. In der ganzen Stadt sind Straßenstände, an denen Fahrradteile verkauft und Fahrräder repariert werden.

Darüber hinaus hat Bogotá viele Museen zu bieten. U.A. haben wir das Geburtshaus von Simon Bolivar besucht, der speziell in Kolumbien allgegenwärtig ist. Er und seine Armee waren hauptverantwortlich für die Befreiung vieler lateinamerikanischer Länder von den spanischen Besatzern. Das Museum an sich war allerdings ohne Führung für uns nicht besonders aussagekräftig.

Nach Bogotá ging es weiter Richtung Küste. Unser erster Stopp dafür hieß: Villa de Leiva. Eine kleine Stadt mit historischem Stadtkern. Recht beliebt unter Touristen.

Dort besuchten wir die sehr beeindruckenden Pozos Azules – das sind künstlich geschaffene Seen in mitten einer wüstenähnlichen Landschaft. Der intensive blau und türkis- Ton des Wassers steht im krassen Kontrast zur Umgebung.

Neben der Architektur der alten Häuser rund um den Plaza Mayor ist die Stadt hauptsächlich für die archäologischen Funde der Region bekannt, die in zwei Museen am Rand der Stadt ausgestellt sind.

Um die Fundstelle des komplett erhaltenen Skeletts eines Monquirasaurus wurde extra ein Museum gebaut. Dieser Saurier der zu der Familie der Kronosaurier gehört, wurde hier in den 70ern gefunden und war damals eine ziemliche Sensation. Denn es war der erste Fund dieser Spezies. Die Stadt veränderte sich durch den Fund fundamental. Von einer stark landwirtschaftlich geprägten Ort, zu einem Mekka für Archäologie und Tourismus. In Folge dessen wurden und werden noch immer, mehr und mehr Fossilien in der Region gefunden und es wurde sogar noch ein weiteres Museum gebaut.

San Gil – ein Mecca für Extremsport in Mitten von Natur

Von Villa de Leiva ist es nicht mehr weit bis San Gil. Hier kann man sämtlichen Extremsportarten nachgehen, die man sich so vorstellen kann. Meine Mutter überwand hier ihre Skepsis und traute sich ihren lang ersehnten Wunsch, mal mit dem Gleitschirm in der Luft zu segeln, zu erfüllen. Und sie kam gar nicht mehr runter – bei den Landeversuchen des Piloten der das Paraglide-Tandem flog kam immer etwas dazwischen. Entweder ein plötzlicher Aufwind oder es klappte irgend was anderes nicht. Letztendlich war sie länger als alle anderen der über zwanzig köpfigen Gruppe in der Luft.

Nur gut das meine Mutter flugfest ist und sich über die zusätzliche Flugzeit gefreut hat – und nach dem Flug nicht ihr Innerstes nach außen gekehrt hat, so wie manch andere.

Ein weiteres Highlight in dieser Region war das schmucke Dorf Curiti. Rund um den Dorfplatz sind viele historische Gebäude und trotzdem fühlt es sich nicht so an, als wäre der Ort nur für Tourist*innen angelegt.

Beim Spazieren durch dieses Dorf ist uns eine kleine Fabrik für Fiqué-Produkte (Fique ist die Faser einer Agavenart) aufgefallen. Hier werden aus dieser Faser mit viel Handarbeit Garne, Seile und Stoffe gefertigt, die wiederum in den unterschiedlichsten Farben und mit den unterschiedlichsten Eigenschaften genutzt werden. Eins haben alle Endprodukte, ob Hausschuhe, Teppiche, Liegestühle oder Hüte, gemeinsam: Sie sind sehr robust.

Bei einer eigens für uns durchgeführten Führung wurden uns die zahlreichen Webstühle und manuelle Spinnmaschinen gezeigt und erklärt wie sich die Arbeit mit der Zeit verändert hat (Spoiler: es hat sich nicht so wahnsinnig viel verändert).

Auch die nahe gelegene ‘Cava de vaca’ (zu deutsch: Höhle der Kuh) ist etwas ganz besonderes. Sie hat ihren Namen daher, weil sie entdeckt wurde als ein Landwirt seine Kühe gesucht und sie letztendlich im unterirdischen Höhleneingang, mehr oder weniger lebendig, gefunden hat. In der Regenzeit ist die Höhle teilweise so voll mit Wasser, das man ein Stück schwimmen

muss um ins Innerste vorzudringen. Was übrigens nicht heißen soll, das sie dann für Touristen geschlossen ist. Wir hatten es da immerhin ein bisschen leichter und sind “nur” bis zum Oberkörper nass geworden.

Trotzdem mussten unsere (Wander-) Schuhe danach zwei Tage lang trocknen.

Auf zum Karneval! – zum zweiten Mal in Kolumbien

Das Besondere an Kolumbien ist, dass hier zu unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedlichen Orten Karneval gefeiert wird. Eingeläutet wird alles mit dem Carnaval de negros y blancos in Pasto (Siehe dazu meinen Blog 31).

Danach zieht der Karneval weiter durchs Land bis hin zur Küste nach Barranquilla.

Wir wollten ohnehin nach Barranquilla und haben erst ziemlich spät von den großen Karnevalsfeiern in der Region erfahren. Genauer gesagt, als wir nach zwei, eher zweckmäßigen Zwischenstopps in Bucaramanga und Aguachica, in der Küstenstadt Santa Marta ankamen. Direkt vor unserem Hotel zog ein Karnevalsumzug vorbei. Also haben wir uns beeilt und sind direkt am nächsten Tag in die nahegelegenen Karnevalshochburg Baranquilla gereist. Dort ist der Karneval einfach größer – vergleichbar, wie wenn man als Tourist an Weiberfastnacht im schnöden Düsseldorf bemerkt, dass man auf der falschen Rheinseite gelandet ist und die großen Fiestas eigentlich 40 km weiter südlich gefeiert werden. Wobei – vermutlich tue ich Santa Marta mit dem Düsseldorf-Vergleich auch unrecht. Schließlich ist Santa Marta eine stellenweise ziemlich schöne Küstenstadt – und es gibt dort kein Altbier. Aber dazu später mehr.

¡Arriva Baranquilla!

Nachdem wir mit dem Bus die doch recht langgezogene Küstenstraße zwischen Santa Marta und Baranquilla gefahren sind, kamen wir in einer riesigen und überfüllten Stadt an, die das Flair einer Planstadt hat. Von dem Busbahnhof dauert es noch ewig um zumindest in die Nähe der Stadtmitte zu kommen. Wobei das Zentrum der Stadt auch schwer zu lokalisieren ist.

Von unserem Hotel ging es direkt zur Via 40 – der Hauptverkehrsstraße Baranquillas, auf der alle großen Karnevalsumzüge stattfinden. Schon auf dem Weg dorthin war ordentlich was los. Überall waren Musikboxen und Leute tanzten auf den Straßen.

Auffällig waren die etwas schiefen Töne der Flöte, die Bestandteil von jeder Karnevalsmusik ist und einen Ohrwurm entstehen lässt, der noch lange im Kopf bleibt.

Als wir dann letztendlich an der Via 40 angekommen und eine der großen Tribünen erklommen hatten, ging der Umzug auch sofort los. Die dröhnende Musik verlagerte sich von der Tribüne auf die kleineren Umzugswagen, die das Fußvolk begleiteten. Boxentürme waren zu Hauf auf dem Heck befestigt, um den Sound volle Kraft nach hinten zu ballern.

Dahinter wurde dann sehr ausdauernd und professionell getanzt. Und wie: Klein und Groß, Jung und Alt, Mann und Frau tanzten ohne Pause und immer mit einem Lächeln im Gesicht den ganzen Zugweg lang durch.

Dies war auch einer der Hauptunterschiede, die ich zum Karneval in Pasto sehe. In Pasto wird weniger getanzt, dafür sind die Kostüme dort (noch) viel kreativer und bunter. Außerdem ist der Karneval in Barranquilla touristischer. Hier feiern auch Menschen aus Nordamerika und Europa mit, während Pasto fast nur unter Kolumbianer*innen bekannt ist.

Nach dem Umzug traf ich am Abend dann noch Pranoti (siehe Blog 31) wieder, die gerade ihren Freund nach Wochen wiedergesehen hatte und sie nun zusammen Urlaub machten. Zusammen haben wir die Straßen Barranquillas unsicher gemacht, bis wenig später die Straßen für uns unsicher wurden. Irgendetwas war wohl passiert und alle Geschäfte rings herum schlossen, viel Polizei tauchte auf und wir beschlossen lieber schnell mit dem Taxi zum Hotel zu fahren.

Leider soll der Rest von Santa Marta eher gefährlich sein und er ist durch die ganzen Hochhäuser und Plattenbauten nicht besonders schön.

Nach zwei Tagen Karnevalsparaden schauen, beschlossen wir zum Abschluss der jecken Tage, das Karnevalmuseum Barranquillas zu besuchen. Dort werden viele Traditionen erklärt, aber vor allem fand ich die Kostüme der bisherigen Karnevals-Prinzessinenen sehr beeindruckend. Die Kleider sind unglaublich aufwendig, werden mit viel Liebe zum Detail hergestellt und übertrumpfen sich gegenseitig in ihrer raumfüllenden Optik.

Für jede Session gibt es einen vollkommen neuen Entwurf.

Nach dem Museumsbesuch wurden wir davon überrascht, das direkt vor der Haustür der Abschlussumzug durch die Straßen zog. Dieser war eher alternativer gestaltet und die Jecken nahmen sich auf keinenfall zu ernst.

Es gab mehrere Särge in denen symbolisch der Karneval zu Grabe getragen wurde, Skelette die um her wanderten und kleine Schauspieleinlagen, in denen Witwen und andere Trauergäste um den verstorbenen (also den Karneval) trauerten und weinend zusammenbrachen, bis dieser nach einer Zeit dann wieder von den Toten auferstanden ist.

Zum krönenden Abschluss und mit reichlich Verspätung (es war schon dunkel) kam letztendlich auch die Karnevalsprinzessin höchstpersönlich noch vorbei, mit der wirklich alle ein Foto wollten.

Ein Kind das neben mir stand, hat sogar den ganzen Umzug gelangweilt über sich ergehen lassen, nur um am Ende ein entsprechendes Foto zu ergattern.

Das war meine Chance, seiner Mutter den Tag zu retten, denn ihr ging das alles zu schnell und das so wichtige Foto missglückte.

Also sendete ich der sichtlich erleichterten Mutter nach dem Umzug mein gelungenes Bild der beiden zu und habe ihr dadurch bestimmt tagelanges Gequengel erspart.

Zwischenüberschrift

Von Barranquilla ging es zurück über Santa Marta ins total überlaufene Bergdorf Minca.

Zum Glück hatten wir eine schöne und ruhig gelegene Unterkunft, außerhalb des Dorfkerns gebucht, zu der wir unsere Koffer entsprechend viele unbefestigte Stufen (137) hochschleppen mussten – und wieder runter – unser Zimmer war erst einen Tag nach Buchung bezugsfertig.

Da Minca mitten in den Bergen liegt und vom Dschungel umgeben ist, hat in in dieser Region der Kakaoanbau lange Tradition. Daher dachten wir, das dies der ideale Ort ist, um mehr über Kakao zu erfahren und machten zwei schöne Touren darüber mit. Bei der ersten wurde Kakao-Paste hergestellt und ich hatte endlich die schon als Kind ersehnte Möglichkeit einmal reine, unverarbeitete Kakao-Butter zu probieren. Denn ich kannte Kakao sowohl als fertiges Produkt (der braunen Schokolade) als auch relativ unverarbeitet als Kakaopulver. Kakaobutter war mir jedoch nur als fertig verarbeitetes Produkt in Form von weißer Schokolade bekannt. Wie das Ursprungsprodukt – also die Kakaobutter – schmeckt, konnte ich mir allerdings nie vorstellen. Nun weiß ich, das unverarbeitete Kakaobutter im Geschmack einer tropischen Frucht viel ähnlicher ist, als weiße Schokolade.

!Hinweis! Der Nachfolgende Text wurde mit Unterstützung von Dorita GPT erstellt:

Die zweite Tour war eine Dschungelwanderung mit dem Schwerpunkt auf Kaffee und Kakao. mitten in unwegsamen Gelände durchquerten wir einen Flusslauf und kamen zu einer kleinen familienbetriebenen Kaffeeplantage. Der Ranger verfügte über ein enormes Wissen über Flora und Fauna im Dschungel und konnte alle Fragen beantworten. Später erfuhren wir warum: Er ist als Kind im Dschungel groß geworden und hat auch bei Expeditionen schon viele denkwürdige Ereignisse überlebt.

Weiter ging es steil Berg hoch zu einer mitten im Berghang gelegenen Eco-Lodge. Dort war der Schwerpunkt auf Kakao und Verarbeitung und es wurden richtig leckere Pralinen selbst hergestellt.

Den Rest von Minca halte ich trotz der schönen Lage allerdings für ein wenig überbewertet und ist mir persönlich auch zu touristisch.

Von Minca besuchten wir ein drittes Mal Santa Marta. Dieses Mal aber Richtig. Wir machten einen Tag pause und gingen am Abend zu den belebten Gassen in der Innenstadt.

Diese Fußgängerzone gefällt mir richtig gut. Sie ist direkt neben dem Strand und die Stimmung in der Nacht ist entspannt.

In Santa Marta haben wir uns überlegt, wie es mit unserer Reise weiter geht.

Schon zu Beginn der Reise haben wir von den ganzen Überschwemmungen gehört, die Teile des Norden des Landes regelrecht zerstörten.

Für uns war es sehr schwer an Informationen zu kommen, welche Region betroffen ist und welche nicht. Über Onlinemedien wie der Deutschen Welle, wurde zwar über die Überschwemmungen berichtet und das die Stadt … besonders betroffen sei, eine farblich markierte Karte, auf der man die Hotspots erkennen konnte, gab es aber nicht.

Also fragten wir einige Leute wie unseren Hotelbesitzer, Mitarbeiter von Touristentouranbietern und eine Polizistin. Das half aber nur sehr bedingt weiter. Die einen meinten Flüsse seien besonders betroffen und Küstengebiete eher nicht und die anderen meinten exakt das Gegenteil.

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